Unsere Angebote gelten nur für gewerbliche Kund:innen und juristische Personen. Ein Verkauf an Verbraucher im Sinne des Konsumentenschutzgesetzes ist ausgeschlossen.
press Enter to searchSuchergebnisse:Keine Produkte gefunden.
Aus der Not entstand ein Prinzip – Exponathalter für Museen neu gedacht
Harry Hauck ist Objektszenograf und Ausstellungsplaner mit über dreißig Jahren Erfahrung in internationalen Museumsprojekten. Clemens Kritzer und Stephan Ebert sind Mountmaker und Projektleiter bei ADAPTIV Exhibition Setup Wien und seit Jahren auf Objektmontagen und Exponathalter für Museen spezialisiert. Gemeinsam haben sie KLIO Mount Systems entwickelt, ein modulares Haltersystem für die Objektmontage in Museen und Ausstellungen. Wir haben mit ihnen über die Entstehung des Systems, seinen Aufbau und seinen Einsatz in der Praxis gesprochen.
Harry, du arbeitest seit Jahrzehnten mit Museen auf der ganzen Welt. Was war lange das größte ungelöste Problem bei der Objektmontage?
Harry Hauck: Die Frage, wie man ein Objekt so hält, dass man die Halterung nicht sieht, beschäftigt Museen, seit sie professionell ausstellen. Was lange fehlte, war eine systematische Antwort darauf. Es gab Erfahrung, es gab handwerkliches Können, es gab Einzellösungen. Aber kein System, das sich reproduzieren ließ. Jedes Projekt begann von vorne. Und bei großen Projekten, mit hunderten oder tausenden von Objekten, wird das sehr schnell zu einem echten Problem.
Harry Hauck
Das eigentliche Ziel hat sich dabei nie verändert. Das Auge darf nirgends „hängenbleiben“. Nicht am Licht, nicht am Text, und schon gar nicht an der Halterung. Ein Objekt soll möglichst rein im Luftraum seiner Vitrine existieren, so dass es im wörtlichen Sinn ungehindert betrachtet werden kann. Das ist der Anspruch. Was lange fehlte, war ein System, das diesen Anspruch auch dann erfüllt, wenn mit ihm in einem Ablauf direkt hunderte von Objekten montiert werden.
Clemens und Stephan, wie hat das bei euch konkret ausgesehen, bevor es KLIO gab?
Stephan Ebert: Plexiglasstäbe, Heißluftfön, gebogene Drähte, schwarzer Lack. Die Halter haben schlicht nicht gut ausgeschaut. Nicht weil niemand sorgfältig gearbeitet hätte, sondern weil es nichts Besseres gab. Jeder Mountmaker beziehungsweise Objekteinrichter hatte seine eigenen Methoden und damit jedes Projekt seine eigenen Lösungen. Nichts davon ließ sich wirklich übertragen.
Clemens Kritzer: Dazu kam, dass sich die Beschaffenheit heutiger Vitrinen grundlegend verändert hat. Stichwort Oddy-Test oder BEMMA-Schema: die strengeren Materialanforderungen im Museumsbetrieb haben dazu geführt, dass MDF weitgehend aus den Vitrinen verschwunden ist. Zumeist sind sie aus  Stahl oder Aluminium gearbeitet, aber in eine Stahlplatte kann man nicht einfach einen Draht hineinstecken – er hängt einfach und hält nicht.. Und dann steht man vor einer Vitrine für zwanzig Objekte und hat keine funktionierende Lösung.
Wie hat die Entwicklung von KLIO begonnen?
Clemens Kritzer: Der erste Impuls kam bei einem Projekt im Militärhistorischen Museum in Dresden. Wir haben dort in der Dauerausstellung zum ersten Mal Halterungen aus Edelstahl und basierend auf einem Prinzip mit Montagehülsen gesehen. Ich hatte vorher noch nie mit Edelstahl gearbeitet, das war im Jahr 2011. Was wir dort sahen, war keine fertige Lösung, aber eine Richtung. Die eigentliche Entwicklung begann dann beim Weltmuseum Wien.
Harry Hauck: Und im Weltmuseum Wien schloss sich ein Kreis: Clemens, Stephan und ich lernten uns dort kennen. Ich bin zum einen der Urheber dieser besagten Halterungen im Militärhistorischen Museum in Dresden und im Weltmuseum war ich dann der Planer, Gestalter und Objektüberwacher für das genannte Projekt der Dauerausstellung. In dieser Funktion hatte ich zur Umsetzung der Halterungen Lösungen mit oder ohne Hülsen gefordert und skizziert und zusammen begannen wir dann eine tolle, fruchtbare Zusammenarbeit um haben Lösungen entwickelt. Das Projekt hatte mehrere Monate Zeitverlust und so stellte sich umso mehr die Frage, wie die enorme Anzahl von 3.000 Objekten zügig und dennoch sicher und elegant in die Vitrinen montiert werden kann.
Stephan Ebert: Wir haben dann zunächst Hülsen zum Einsetzen der Halterstäbe entwickelt. Dies ist ein Aufnahmeelement, das in die Rückwand eingeschraubt wird und den Stab aufnimmt: Stab rein und mit einer Madenschraube fixiert. Und während wir die Hülse entwickelten, kam die nächste Erkenntnis:Â
Stephan Ebert
Wenn man vorne das Krallenstück mit dem Objekt auch noch aufstecken kann, die Verbindung zum Objekt also vom Stab trennt, hat man gewonnen. Drei trennbare Teile statt einem durchgehenden Halter. Damit war das grundlegende Prinzip von KLIO geboren: Die drei Funktionen eines Objekthalters werden also voneinander getrennt. Damit wurde die völlige Flexiblität für die Montagevorgänge geschaffen und der Grundstock für das serielle, industrielle Produzieren.
Was bedeutet dieses Prinzip konkret? Ihr nennt dies TOP, LINK und BASE?
TOP
Clemens Kritzer: TOP ist die direkte Schnittstelle zum Objekt. Das sind Rohlinge, die individuell an die Form des Exponats angepasst werden, gebogen, gefedert, justiert. Die feinsten Drähte, die wir dabei verwenden, sind weit unter einem Millimeter stark. Von vorne sieht man so wenig wie möglich.
BASE ist eine Hülse, die als Verankerung der gesamten Halterung, in Vitrine, Sockel oder Wand eingebracht wird und alles aufnimmt. Sie ist wiederverwendbar und funktioniert in Holz, Metall und allen strukturfesten Materialien.
BASE
LINK
LINK verbindet die beiden Teile und das in jeder gewünschten Länge. Stäbe und Verbindungsstücke in unterschiedlichsten Längen und Winkeln, die den Abstand des Objekts zur Rückwand bestimmen, seine Neigung, seine Position im Raum. Mit LINK lässt sich eine gesamte Exponatgruppe in exakt gleichem Abstand montieren. Das ist vor allem bei größeren Projekten mit vielen gleichartigen Objekten ein großer Vorteil.
Harry Hauck: Was mich an diesem Prinzip neben seiner Eleganz und seiner Funktionalität besonders überzeugt, ist, was es für die Abläufe im Ausstellungsaufbau bedeutet. Durch die modulare Aufteilung der Funktionsbestandteile im Halter lassen sich auch die wesentlichen Montageschritte klar voneinander trennen. Die konservatorisch sensible Objektmontage, also die feine Anpassungsarbeit am Exponat selbst, erfolgt räumlich und zeitlich getrennt von den mechanischen Haltermontagen in der Vitrine. Das passiert also nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, an verschiedenen Orten und unter kontrollierten Bedingungen. Diese Trennung erhöht damit erheblich die Sicherheit für die Exponate während des Ausstellungsaufbaus, weil die sensiblen Objekte nicht zugegen sind bei den ganzen groben Arbeiten in den Vitrinen mit Maschinen, Bohren, Staub und Spänen. Und weil die Abläufe seriell werden, wird auch die gesamte Einrichtung effizienter und kostengünstiger.
Ein weiterer Aspekt der mir sehr wichtig ist: Die Revisionierbarkeit. Alle Bestandteile des Halters lassen sich leicht wieder öffnen. Das Objekt ist somit jederzeit und schonend entnehmbar. Bei bestimmten Anforderungen lässt sich ein Objekt im laufenden Museumsbetrieb risikofrei entnehmen, Leihgaben können kommen und gehen, Ausstellungen geändert werden und eine Ausstellung schließlich auch sehr schnell und sicher zurückgebaut werden.
Wo zeigt das System seine größte Stärke in der Praxis?
Clemens Kritzer
Clemens Kritzer: Nach der Stellprobe. Das ist der Moment, auf den alles hinarbeitet. Eine Stellprobe ist einer der kommunikationsintensivsten Prozesse im gesamten Ausstellungsaufbau. Gestalter, Kuratoren, Restauratorinnen, alle müssen sich einigen, wo welches Objekt sitzen wird, in welcher Höhe, in welchem Abstand, in welcher Ausrichtung. Das dauert, kann Zeit und Nerven kosten, ist aber sehr wertvoll und unabdingbar.
Stephan Ebert: Und sobald das Layout steht, kommt KLIO voll zum Tragen. Bohrpunkte werden markiert, Hülsen eingeschraubt, Stäbe eingesteckt, Objekte aufgesetzt und fixiert. Das geht dann schnell. Stab zu lang? Abschneiden, wieder reinstecken. Objekt muss weiter nach vorne? Längeren Stab. Das System lässt Korrekturen zu, ohne dass man von vorne beginnen muss.
Harry Hauck: In großen Projekten übertragen wir das fertig entwickelte Layout per Beamerprojektion auf die Vitrinenrückwand. Bohrpunkte werden exakt nach Plan gesetzt, bevor überhaupt ein einziges Objekt im Saal ist. Die Exponate wurden in separaten Räumen bereits mit ihren TOP-Haltern versehen und dann in Schaumstoffblöcken, auf Wagen, kistenweise eingelagert. Im Saal selbst passiert dann nur noch eines: einstecken und fixieren.
Am Militärhistorischen Museum in Dresden mit seinen 10.000 Ausstellungsstücken hatte ich damals schon durch eine seriell-modulare Weise tausende Exponathalter zeitlich vorbereiten und Zeit gewinnen können. Die Einrichtung der Vitrinen ging in einem Bruchteil der Zeit, die eine konventionelle Vorgehensweise benötigt hätte. KLIO hat dieses Prinzip sehr viel weiterentwickelt und mittlerweile zur Perfektion gebracht.
KLIO gibt es heute als System mit eigenem Shop und eigenem Namen. Wie ist das geworden?
Clemens Kritzer: Das ist über viele Jahre und viele Projekte gewachsen. Was wir in Dresden entdeckt haben, haben wir in Wien weiterentwickelt. Was in Wien nicht funktioniert hat, haben wir beim nächsten Projekt anders gemacht. Jede Ausstellung hat etwas dazugegeben. Neue Objektformen, neue Vitrinentypen, neue Anforderungen von Restaurator*innen. Das System hat sich mit jedem Einsatz verändert.
Stephan Ebert: Was dabei immer gleichgeblieben ist: der Grundgedanke. Drei trennbare Ebenen, standardisierte Verbindungen, revisionierbar in allen Teilen. Das ermöglicht ein einheitliches System, das in der Umsetzung trotzdem viel Raum zur Anpassung lässt. Und das hat sich bewährt, egal wie groß das Projekt war. Irgendwann war klar, dass das, was wir da entwickelt haben, nicht nur für uns funktioniert. Dass andere Mountmaker und Objekteinrichter, andere Ausstellungshäuser, davon profitieren können. Was wir intern immer verwendet haben, wurde zu KLIO Mount Systems, das wir heute im eigenen Shop vertreiben.
Zum Abschluss: Was ist KLIO für euch, wenn ihr es in einem Satz beschreiben müsstet?
Harry Hauck: Eine Antwort auf eine Frage, die das Museum seit seiner Erfindung stellt. Wie schafft man ein System, das revisionierbar ist, weil Objekte wandern und Halterungen sich lösen lassen müssen. Das modular und effizient genug ist, um auch große Ausstellungen zu bewältigen. Und das gestalterisch so weit zurücktritt, dass am Ende nur eines im Vordergrund steht: das Objekt und die Stories in der Vitrine.
Clemens Kritzer: Aus der Not ist ein System entstanden, so wie die meisten Sachen, die praktisch sind. Ein System, das die Arbeit strukturiert undsie vereinfacht. Und das am Ende genau das leistet, was jede gute Halterung leisten soll: So fein wie möglich, so sicher wie nötig.
Stephan Ebert: Für mich ist es vor allem eines: ein System, das man weiterreichen kann. Nicht mehr für jedes Objekt neu erfinden, sondern kombinieren, was sich schon tausendfach bewährt hat.
Das KLIO Mount System ist ein modulares Haltersystem für die professionelle Objektmontage in Museen und Ausstellungen, entwickelt von ADAPTIV Exhibition Setup Wien in enger Zusammenarbeit mit Objektszenograf Harry Hauck, Berlin. Für Objekte, die gesehen werden sollen. Nicht ihre Halterung.
Aus der Not entstand ein Prinzip – Exponathalter für Museen neu gedacht
Harry Hauck ist Objektszenograf und Ausstellungsplaner mit über dreißig Jahren Erfahrung in internationalen Museumsprojekten. Clemens Kritzer und Stephan Ebert sind Mountmaker und Projektleiter bei ADAPTIV Exhibition Setup Wien und seit Jahren auf Objektmontagen und Exponathalter für Museen spezialisiert. Gemeinsam haben sie KLIO Mount Systems entwickelt, ein modulares Haltersystem für die Objektmontage in Museen und Ausstellungen. Wir haben mit ihnen über die Entstehung des Systems, seinen Aufbau und seinen Einsatz in der Praxis gesprochen.
Harry, du arbeitest seit Jahrzehnten mit Museen auf der ganzen Welt. Was war lange das größte ungelöste Problem bei der Objektmontage?
Harry Hauck: Die Frage, wie man ein Objekt so hält, dass man die Halterung nicht sieht, beschäftigt Museen, seit sie professionell ausstellen. Was lange fehlte, war eine systematische Antwort darauf. Es gab Erfahrung, es gab handwerkliches Können, es gab Einzellösungen. Aber kein System, das sich reproduzieren ließ. Jedes Projekt begann von vorne. Und bei großen Projekten, mit hunderten oder tausenden von Objekten, wird das sehr schnell zu einem echten Problem.
Das eigentliche Ziel hat sich dabei nie verändert. Das Auge darf nirgends „hängenbleiben“. Nicht am Licht, nicht am Text, und schon gar nicht an der Halterung. Ein Objekt soll möglichst rein im Luftraum seiner Vitrine existieren, so dass es im wörtlichen Sinn ungehindert betrachtet werden kann. Das ist der Anspruch. Was lange fehlte, war ein System, das diesen Anspruch auch dann erfüllt, wenn mit ihm in einem Ablauf direkt hunderte von Objekten montiert werden.
Clemens und Stephan, wie hat das bei euch konkret ausgesehen, bevor es KLIO gab?
Stephan Ebert: Plexiglasstäbe, Heißluftfön, gebogene Drähte, schwarzer Lack. Die Halter haben schlicht nicht gut ausgeschaut. Nicht weil niemand sorgfältig gearbeitet hätte, sondern weil es nichts Besseres gab. Jeder Mountmaker beziehungsweise Objekteinrichter hatte seine eigenen Methoden und damit jedes Projekt seine eigenen Lösungen. Nichts davon ließ sich wirklich übertragen.
Clemens Kritzer: Dazu kam, dass sich die Beschaffenheit heutiger Vitrinen grundlegend verändert hat. Stichwort Oddy-Test oder BEMMA-Schema: die strengeren Materialanforderungen im Museumsbetrieb haben dazu geführt, dass MDF weitgehend aus den Vitrinen verschwunden ist. Zumeist sind sie aus  Stahl oder Aluminium gearbeitet, aber in eine Stahlplatte kann man nicht einfach einen Draht hineinstecken – er hängt einfach und hält nicht.. Und dann steht man vor einer Vitrine für zwanzig Objekte und hat keine funktionierende Lösung.
Wie hat die Entwicklung von KLIO begonnen?
Clemens Kritzer: Der erste Impuls kam bei einem Projekt im Militärhistorischen Museum in Dresden. Wir haben dort in der Dauerausstellung zum ersten Mal Halterungen aus Edelstahl und basierend auf einem Prinzip mit Montagehülsen gesehen. Ich hatte vorher noch nie mit Edelstahl gearbeitet, das war im Jahr 2011. Was wir dort sahen, war keine fertige Lösung, aber eine Richtung. Die eigentliche Entwicklung begann dann beim Weltmuseum Wien.
Harry Hauck: Und im Weltmuseum Wien schloss sich ein Kreis: Clemens, Stephan und ich lernten uns dort kennen. Ich bin zum einen der Urheber dieser besagten Halterungen im Militärhistorischen Museum in Dresden und im Weltmuseum war ich dann der Planer, Gestalter und Objektüberwacher für das genannte Projekt der Dauerausstellung. In dieser Funktion hatte ich zur Umsetzung der Halterungen Lösungen mit oder ohne Hülsen gefordert und skizziert und zusammen begannen wir dann eine tolle, fruchtbare Zusammenarbeit um haben Lösungen entwickelt. Das Projekt hatte mehrere Monate Zeitverlust und so stellte sich umso mehr die Frage, wie die enorme Anzahl von 3.000 Objekten zügig und dennoch sicher und elegant in die Vitrinen montiert werden kann.
Stephan Ebert: Wir haben dann zunächst Hülsen zum Einsetzen der Halterstäbe entwickelt. Dies ist ein Aufnahmeelement, das in die Rückwand eingeschraubt wird und den Stab aufnimmt: Stab rein und mit einer Madenschraube fixiert. Und während wir die Hülse entwickelten, kam die nächste Erkenntnis:Â
Wenn man vorne das Krallenstück mit dem Objekt auch noch aufstecken kann, die Verbindung zum Objekt also vom Stab trennt, hat man gewonnen. Drei trennbare Teile statt einem durchgehenden Halter. Damit war das grundlegende Prinzip von KLIO geboren: Die drei Funktionen eines Objekthalters werden also voneinander getrennt. Damit wurde die völlige Flexiblität für die Montagevorgänge geschaffen und der Grundstock für das serielle, industrielle Produzieren.
Was bedeutet dieses Prinzip konkret? Ihr nennt dies TOP, LINK und BASE?
Clemens Kritzer: TOP ist die direkte Schnittstelle zum Objekt. Das sind Rohlinge, die individuell an die Form des Exponats angepasst werden, gebogen, gefedert, justiert. Die feinsten Drähte, die wir dabei verwenden, sind weit unter einem Millimeter stark. Von vorne sieht man so wenig wie möglich.
BASE ist eine Hülse, die als Verankerung der gesamten Halterung, in Vitrine, Sockel oder Wand eingebracht wird und alles aufnimmt. Sie ist wiederverwendbar und funktioniert in Holz, Metall und allen strukturfesten Materialien.
LINK verbindet die beiden Teile und das in jeder gewünschten Länge. Stäbe und Verbindungsstücke in unterschiedlichsten Längen und Winkeln, die den Abstand des Objekts zur Rückwand bestimmen, seine Neigung, seine Position im Raum. Mit LINK lässt sich eine gesamte Exponatgruppe in exakt gleichem Abstand montieren. Das ist vor allem bei größeren Projekten mit vielen gleichartigen Objekten ein großer Vorteil.
Harry Hauck: Was mich an diesem Prinzip neben seiner Eleganz und seiner Funktionalität besonders überzeugt, ist, was es für die Abläufe im Ausstellungsaufbau bedeutet. Durch die modulare Aufteilung der Funktionsbestandteile im Halter lassen sich auch die wesentlichen Montageschritte klar voneinander trennen. Die konservatorisch sensible Objektmontage, also die feine Anpassungsarbeit am Exponat selbst, erfolgt räumlich und zeitlich getrennt von den mechanischen Haltermontagen in der Vitrine. Das passiert also nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, an verschiedenen Orten und unter kontrollierten Bedingungen. Diese Trennung erhöht damit erheblich die Sicherheit für die Exponate während des Ausstellungsaufbaus, weil die sensiblen Objekte nicht zugegen sind bei den ganzen groben Arbeiten in den Vitrinen mit Maschinen, Bohren, Staub und Spänen. Und weil die Abläufe seriell werden, wird auch die gesamte Einrichtung effizienter und kostengünstiger.
Ein weiterer Aspekt der mir sehr wichtig ist: Die Revisionierbarkeit. Alle Bestandteile des Halters lassen sich leicht wieder öffnen. Das Objekt ist somit jederzeit und schonend entnehmbar. Bei bestimmten Anforderungen lässt sich ein Objekt im laufenden Museumsbetrieb risikofrei entnehmen, Leihgaben können kommen und gehen, Ausstellungen geändert werden und eine Ausstellung schließlich auch sehr schnell und sicher zurückgebaut werden.
Wo zeigt das System seine größte Stärke in der Praxis?
Clemens Kritzer: Nach der Stellprobe. Das ist der Moment, auf den alles hinarbeitet. Eine Stellprobe ist einer der kommunikationsintensivsten Prozesse im gesamten Ausstellungsaufbau. Gestalter, Kuratoren, Restauratorinnen, alle müssen sich einigen, wo welches Objekt sitzen wird, in welcher Höhe, in welchem Abstand, in welcher Ausrichtung. Das dauert, kann Zeit und Nerven kosten, ist aber sehr wertvoll und unabdingbar.
Stephan Ebert: Und sobald das Layout steht, kommt KLIO voll zum Tragen. Bohrpunkte werden markiert, Hülsen eingeschraubt, Stäbe eingesteckt, Objekte aufgesetzt und fixiert. Das geht dann schnell. Stab zu lang? Abschneiden, wieder reinstecken. Objekt muss weiter nach vorne? Längeren Stab. Das System lässt Korrekturen zu, ohne dass man von vorne beginnen muss.
Harry Hauck: In großen Projekten übertragen wir das fertig entwickelte Layout per Beamerprojektion auf die Vitrinenrückwand. Bohrpunkte werden exakt nach Plan gesetzt, bevor überhaupt ein einziges Objekt im Saal ist. Die Exponate wurden in separaten Räumen bereits mit ihren TOP-Haltern versehen und dann in Schaumstoffblöcken, auf Wagen, kistenweise eingelagert. Im Saal selbst passiert dann nur noch eines: einstecken und fixieren.
Am Militärhistorischen Museum in Dresden mit seinen 10.000 Ausstellungsstücken hatte ich damals schon durch eine seriell-modulare Weise tausende Exponathalter zeitlich vorbereiten und Zeit gewinnen können. Die Einrichtung der Vitrinen ging in einem Bruchteil der Zeit, die eine konventionelle Vorgehensweise benötigt hätte. KLIO hat dieses Prinzip sehr viel weiterentwickelt und mittlerweile zur Perfektion gebracht.
KLIO gibt es heute als System mit eigenem Shop und eigenem Namen. Wie ist das geworden?
Clemens Kritzer: Das ist über viele Jahre und viele Projekte gewachsen. Was wir in Dresden entdeckt haben, haben wir in Wien weiterentwickelt. Was in Wien nicht funktioniert hat, haben wir beim nächsten Projekt anders gemacht. Jede Ausstellung hat etwas dazugegeben. Neue Objektformen, neue Vitrinentypen, neue Anforderungen von Restaurator*innen. Das System hat sich mit jedem Einsatz verändert.
Stephan Ebert: Was dabei immer gleichgeblieben ist: der Grundgedanke. Drei trennbare Ebenen, standardisierte Verbindungen, revisionierbar in allen Teilen. Das ermöglicht ein einheitliches System, das in der Umsetzung trotzdem viel Raum zur Anpassung lässt. Und das hat sich bewährt, egal wie groß das Projekt war.
Irgendwann war klar, dass das, was wir da entwickelt haben, nicht nur für uns funktioniert. Dass andere Mountmaker und Objekteinrichter, andere Ausstellungshäuser, davon profitieren können. Was wir intern immer verwendet haben, wurde zu KLIO Mount Systems, das wir heute im eigenen Shop vertreiben.
Zum Abschluss: Was ist KLIO für euch, wenn ihr es in einem Satz beschreiben müsstet?
Harry Hauck: Eine Antwort auf eine Frage, die das Museum seit seiner Erfindung stellt. Wie schafft man ein System, das revisionierbar ist, weil Objekte wandern und Halterungen sich lösen lassen müssen. Das modular und effizient genug ist, um auch große Ausstellungen zu bewältigen. Und das gestalterisch so weit zurücktritt, dass am Ende nur eines im Vordergrund steht: das Objekt und die Stories in der Vitrine.
Clemens Kritzer: Aus der Not ist ein System entstanden, so wie die meisten Sachen, die praktisch sind. Ein System, das die Arbeit strukturiert undsie vereinfacht. Und das am Ende genau das leistet, was jede gute Halterung leisten soll: So fein wie möglich, so sicher wie nötig.
Stephan Ebert: Für mich ist es vor allem eines: ein System, das man weiterreichen kann. Nicht mehr für jedes Objekt neu erfinden, sondern kombinieren, was sich schon tausendfach bewährt hat.
Das KLIO Mount System ist ein modulares Haltersystem für die professionelle Objektmontage in Museen und Ausstellungen, entwickelt von ADAPTIV Exhibition Setup Wien in enger Zusammenarbeit mit Objektszenograf Harry Hauck, Berlin. Für Objekte, die gesehen werden sollen. Nicht ihre Halterung.