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Von schwebenden Objekten und der Arbeit, die dahintersteckt.
Eine antike Vase. Ein historisches Werkzeug. Ein funkelndes Schmuckstück aus vergangenen Jahrhunderten. Frei im Raum. Ohne sichtbare Stütze. Ohne erkennbare Verbindung zur Wand dahinter oder Boden darunter. In einer gut gemachten Ausstellung scheinen die Exponate frei im Raum zu stehen. Als würden sie schweben. Erst auf den zweiten Blick sieht man sie: Die Objektmontage.
Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis sorgfältiger Entscheidungen, die lange vor der Eröffnung getroffen wurden, in Werkstätten, vor Leuchttischen, mit Biegewerkzeug in der Hand. Die beste Objektmontage ist jene, die nicht auffällt. Die sich dem Objekt so weit annähert, dass sie selbst fast verschwindet. Nicht weil Technik keine Rolle spielt, sondern weil sie so präzise eingesetzt wird, dass sie in den Hintergrund tritt.
Das Auge darf nirgends hängenbleiben
Harry Hauck, Objektszenograf mit über dreißig Jahren Erfahrung in der Gestaltung, Planung und Umsetzung internationaler Museumsausstellungen, formuliert das Ziel jeder Objektmontage so:
„Objekte in einer Vitrine und in einer Ausstellung sind die Akteure einer Erzählung im Museum. Es geht um Geschichte und um Geschichten. Bei der Betrachtung soll diese Erzählung klar wahrgenommen werden und das Objekt selbst. Das Auge soll wandern können, soll eintauchen in vergangene Zeiten, soll entdecken und suchen, darf Strukturen am Objekt sehen und seiner besonderen Beschaffenheit auf den Grund gehen. Das Auge der Betrachtung soll daher nirgends sonst hängenbleiben.“
Es darf also keine Störung bei der Betrachtung geben durch die Beleuchtung, nicht durch Verunreinigungen, nicht durch zu nah sitzende Texte und schon gar nicht durch die Halterung des Objekts.
Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Denn eine Halterung, die diesen Anspruch erfüllt, muss gleichzeitig sicher halten, sich dem Objekt individuell anpassen und von vorne so wenig wie möglich von sich selbst zeigen. Diese drei Anforderungen stehen in einem ständigen Spannungsverhältnis und ihre Auflösung ist handwerkliche Kunst.
Das Ziel, das Ausstellungsgestaltende dabei formulieren, ist ein physischer Eindruck: das schwebende Objekt. Ein Exponat, das im bloßen Luftraum seiner Vitrine zu existieren scheint. Frei und ohne sichtbare Verbindung zur Welt dahinter. Dieser Eindruck entsteht nicht durch Magie, sondern durch Millimeterarbeit.
Was hinter dem Schweben steckt
Clemens Kritzer, Mountmaker und Objekteinrichter bei ADAPTIV Exhibition Setup Wien beschreibt den Zugang für die Umsetzung dieses Ziels so: Größe, Gewicht, Form und Material sind die ersten Kriterien, auf die er achtet, wenn er ein Objekt das erste Mal sieht. Daraus ergibt sich, welche Halterung möglich ist. Was möglich sein darf, entscheidet jedoch der Mountmaker beziehungsweise Objekteinrichter nicht allein.
„Die Kolleg*innen in der Restaurierung geben mir meistens vor, was ich anfassen darf und was nicht“, sagt Kritzer. Bei heiklen oder besonders wertvollen Exponaten bedeutet das: Jedes Objekt wird für sich besprochen. Gemeinsam legen Gestalter, Restauratorin und Mountmaker fest, an welchen Punkten das Stück gehalten werden kann, welche Materialien in Kontakt kommen dürfen und wie die Halterung funktionieren und aussehen soll. Manchmal entsteht dabei eine Montageskizze, die freigegeben wird, bevor ein einziger Draht gebogen wird. Die Halterung ist dann nicht nur ein technisches Hilfsmittel. Sie ist das Ergebnis einer kollektiven fachlichen Entscheidung.
Für genau diese Arbeitsweise wurde das KLIO Mount System entwickelt. Ein modulares Haltersystem, das sich individuell an jedes Exponat anpassen lässt und dabei konservatorischen wie gestalterischen Anforderungen gleichzeitig gerecht wird. Das Leitprinzip dahinter: so stark wie nötig, so fein wie möglich.
Besondere Objekte benötigen besondere Lösungen
Der Schwebeeindruck ist einfacher zu erzielen, wenn das Objekt klein, leicht und regelmäßig geformt ist. Die eigentliche Qualität eines Haltersystems zeigt sich schließlich aber bei ungewöhnlichen Formen, fragilen Materialien, mehrteiligen Objekten und bei Exponaten, die viel technischen Halt brauchen, jedoch wenig davon zeigen sollen.
Ein Orden mit Ordensband zum Beispiel. Das Metall und das Textil stellen völlig unterschiedliche Anforderungen. Die Kralle hält das metallene Medaillon, aber das Ordensband braucht eine eigene Lösung, darf nur mit Silikonschlauch und weichem Unterleger berührt werden, muss auf gleicher Höhe präsentiert werden, darf aber nicht hängen. Was wie ein einfaches Objekt wirkt, wird in der Praxis zur Mehrfachaufgabe.
Ähnliches gilt für ausladende oder schwere Exponate. Hier kommen stärkere Trägerstäbe zum Einsatz, aber der Grundsatz bleibt derselbe. Was von vorne zu sehen ist, wird auf ein Minimum reduziert. Die Last wird nach hinten abgeleitet, in die Verankerung. Das Objekt selbst wirkt weiterhin frei im Raum.
Die verborgene Kunst am Objekt
Ein guter Exponathalter fällt nicht auf. Er ist da, er trägt, er hält, er schützt, aber er stellt sich nicht in den Vordergrund. Es gilt, die eigene Arbeit so weit zurückzunehmen, dass das Ergebnis kaum wahrnehmbar wirkt. Und doch steckt dahinter ein eigener Prozess, der langjährige Erfahrung und handwerkliches Geschick verlangt. Wer genauer hinsieht, erkennt die Entscheidungen dahinter: Den gewählten Durchmesser den Winkel, in dem das Objekt zur Rückwand steht und den gewählten Kontaktschutz, der das Haltermetall von Exponat trennt. In manchen Projekten wird der hierfür meist zum Einsatz kommende Silikonschlauch statt in seiner üblichen milchigen Farbe sogar in Anthrazit gewählt, damit selbst dieses letzte Detail nicht bei der Betrachtung stört. Eine passende Objektmontage zu schaffen ist, für sich genommen, eine eigene Kunstform im Verborgenen.
Das KLIO Mount System ist ein modulares Haltersystem für die professionelle Objektmontage in Museen und Ausstellungen, entwickelt von ADAPTIV Exhibition Setup Wien in enger Zusammenarbeit mit Objektszenograf Harry Hauck, Berlin.
Die verborgene Kunst der Objektmontage im Museum
Von schwebenden Objekten und der Arbeit, die dahintersteckt.
Eine antike Vase. Ein historisches Werkzeug. Ein funkelndes Schmuckstück aus vergangenen Jahrhunderten. Frei im Raum. Ohne sichtbare Stütze. Ohne erkennbare Verbindung zur Wand dahinter oder Boden darunter. In einer gut gemachten Ausstellung scheinen die Exponate frei im Raum zu stehen. Als würden sie schweben. Erst auf den zweiten Blick sieht man sie: Die Objektmontage.
Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis sorgfältiger Entscheidungen, die lange vor der Eröffnung getroffen wurden, in Werkstätten, vor Leuchttischen, mit Biegewerkzeug in der Hand. Die beste Objektmontage ist jene, die nicht auffällt. Die sich dem Objekt so weit annähert, dass sie selbst fast verschwindet. Nicht weil Technik keine Rolle spielt, sondern weil sie so präzise eingesetzt wird, dass sie in den Hintergrund tritt.
Das Auge darf nirgends hängenbleiben
Harry Hauck, Objektszenograf mit über dreißig Jahren Erfahrung in der Gestaltung, Planung und Umsetzung internationaler Museumsausstellungen, formuliert das Ziel jeder Objektmontage so:
„Objekte in einer Vitrine und in einer Ausstellung sind die Akteure einer Erzählung im Museum. Es geht um Geschichte und um Geschichten. Bei der Betrachtung soll diese Erzählung klar wahrgenommen werden und das Objekt selbst. Das Auge soll wandern können, soll eintauchen in vergangene Zeiten, soll entdecken und suchen, darf Strukturen am Objekt sehen und seiner besonderen Beschaffenheit auf den Grund gehen. Das Auge der Betrachtung soll daher nirgends sonst hängenbleiben.“
Es darf also keine Störung bei der Betrachtung geben durch die Beleuchtung, nicht durch Verunreinigungen, nicht durch zu nah sitzende Texte und schon gar nicht durch die Halterung des Objekts.
Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Denn eine Halterung, die diesen Anspruch erfüllt, muss gleichzeitig sicher halten, sich dem Objekt individuell anpassen und von vorne so wenig wie möglich von sich selbst zeigen. Diese drei Anforderungen stehen in einem ständigen Spannungsverhältnis und ihre Auflösung ist handwerkliche Kunst.
Das Ziel, das Ausstellungsgestaltende dabei formulieren, ist ein physischer Eindruck: das schwebende Objekt. Ein Exponat, das im bloßen Luftraum seiner Vitrine zu existieren scheint. Frei und ohne sichtbare Verbindung zur Welt dahinter. Dieser Eindruck entsteht nicht durch Magie, sondern durch Millimeterarbeit.
Was hinter dem Schweben steckt
Clemens Kritzer, Mountmaker und Objekteinrichter bei ADAPTIV Exhibition Setup Wien beschreibt den Zugang für die Umsetzung dieses Ziels so: Größe, Gewicht, Form und Material sind die ersten Kriterien, auf die er achtet, wenn er ein Objekt das erste Mal sieht. Daraus ergibt sich, welche Halterung möglich ist. Was möglich sein darf, entscheidet jedoch der Mountmaker beziehungsweise Objekteinrichter nicht allein.
„Die Kolleg*innen in der Restaurierung geben mir meistens vor, was ich anfassen darf und was nicht“, sagt Kritzer. Bei heiklen oder besonders wertvollen Exponaten bedeutet das: Jedes Objekt wird für sich besprochen. Gemeinsam legen Gestalter, Restauratorin und Mountmaker fest, an welchen Punkten das Stück gehalten werden kann, welche Materialien in Kontakt kommen dürfen und wie die Halterung funktionieren und aussehen soll. Manchmal entsteht dabei eine Montageskizze, die freigegeben wird, bevor ein einziger Draht gebogen wird. Die Halterung ist dann nicht nur ein technisches Hilfsmittel. Sie ist das Ergebnis einer kollektiven fachlichen Entscheidung.
Für genau diese Arbeitsweise wurde das KLIO Mount System entwickelt. Ein modulares Haltersystem, das sich individuell an jedes Exponat anpassen lässt und dabei konservatorischen wie gestalterischen Anforderungen gleichzeitig gerecht wird. Das Leitprinzip dahinter: so stark wie nötig, so fein wie möglich.
Besondere Objekte benötigen besondere Lösungen
Der Schwebeeindruck ist einfacher zu erzielen, wenn das Objekt klein, leicht und regelmäßig geformt ist. Die eigentliche Qualität eines Haltersystems zeigt sich schließlich aber bei ungewöhnlichen Formen, fragilen Materialien, mehrteiligen Objekten und bei Exponaten, die viel technischen Halt brauchen, jedoch wenig davon zeigen sollen.
Ein Orden mit Ordensband zum Beispiel. Das Metall und das Textil stellen völlig unterschiedliche Anforderungen. Die Kralle hält das metallene Medaillon, aber das Ordensband braucht eine eigene Lösung, darf nur mit Silikonschlauch und weichem Unterleger berührt werden, muss auf gleicher Höhe präsentiert werden, darf aber nicht hängen. Was wie ein einfaches Objekt wirkt, wird in der Praxis zur Mehrfachaufgabe.
Ähnliches gilt für ausladende oder schwere Exponate. Hier kommen stärkere Trägerstäbe zum Einsatz, aber der Grundsatz bleibt derselbe. Was von vorne zu sehen ist, wird auf ein Minimum reduziert. Die Last wird nach hinten abgeleitet, in die Verankerung. Das Objekt selbst wirkt weiterhin frei im Raum.
Die verborgene Kunst am Objekt
Ein guter Exponathalter fällt nicht auf. Er ist da, er trägt, er hält, er schützt, aber er stellt sich nicht in den Vordergrund. Es gilt, die eigene Arbeit so weit zurückzunehmen, dass das Ergebnis kaum wahrnehmbar wirkt. Und doch steckt dahinter ein eigener Prozess, der langjährige Erfahrung und handwerkliches Geschick verlangt. Wer genauer hinsieht, erkennt die Entscheidungen dahinter: Den gewählten Durchmesser den Winkel, in dem das Objekt zur Rückwand steht und den gewählten Kontaktschutz, der das Haltermetall von Exponat trennt. In manchen Projekten wird der hierfür meist zum Einsatz kommende Silikonschlauch statt in seiner üblichen milchigen Farbe sogar in Anthrazit gewählt, damit selbst dieses letzte Detail nicht bei der Betrachtung stört. Eine passende Objektmontage zu schaffen ist, für sich genommen, eine eigene Kunstform im Verborgenen.
Das KLIO Mount System ist ein modulares Haltersystem für die professionelle Objektmontage in Museen und Ausstellungen, entwickelt von ADAPTIV Exhibition Setup Wien in enger Zusammenarbeit mit Objektszenograf Harry Hauck, Berlin.